Logo Schlosskirchenorgel

Stand der Orgelrenovierung
am 5. Januar 2020

 

Inzwischen haben fünf Orgelbauer die dritte Einbau-Phase der Arbeiten vor Ort in der Schlosskirche abgeschlossen. Als sichtbares Zeichen ist das Gerüst entfernt worden.
Pfeifen des Prinzipal 16’ stehen als erstes (!) Register schon wieder im so genannten Prospekt (sichtbarer Teil der Orgel).

Diese Pfeifen sind seitlich des so genannten Labiums (Pfeifenmund) mit “Seitenbärten” ausgestattet und haben ganz neu “Rollbärte” bekommen. (Auf dem Foto in schwarzer Farbe – nicht ganz leicht – sichtbar)
Durch diese beiden baulichen Elemente wird das Luftband optimal gelenkt.

Viele im Laufe der Jahrzehnte aufgrund des darauf liegenden Gewichtes des Pfeifenkörpers verbogenen Pfeifenfüßen wurden begradigt und haben eine Vorrichtung bekommen, mit deren Hilfe das Gewicht abgefangen wird. (Foto aus der Orgel heraus aufgenommen)
Somit dürfte auch dieses Problem der Vergangenheit angehören, und der Prospekt ist auch wieder ästhetisch anzuschauen.

Bei der Steuerung des Windes unterhalb dieser Prinzipalpfeifen – in den so genannten Kegelladen (Räume, in denen die Windzufuhr gesteuert wird) – wurden die Kegel (Ventile)
sowie die Flächen der Registerkanzellen, wo die jeweiligen Kegel in der Ruheposition aufliegen, mit Leder bezogen, so dass das bisherige störende Klappern beim Spiel nicht mehr auftritt.

Nachdem mittlerweile auch die letzten Dichtungsarbeiten fertig gestellt werden konnten, gelangt der Wind nun nur noch dahin, wo er soll. Alle Schleifenzugmagnete der Pedal-, der Schwellwerks- und der Hauptwerkslade wurden erneuert. Jeder dieser Magnete erhielt ebenfalls neu seine zu ihm gehörige Platine, die später die faszinierenden elektronischen Steuerungen ermöglichen wird.

Ein nun gelieferter provisorischer Montage-Spieltisch (so zu sagen das “Cockpit”) wird ab der nächsten Einbau-Phase solange seinen Dienst tun, bis alle Pfeifen ihren Ort gefunden haben und klanglich aufeinander abgestimmt sein werden. In der Werkstatt wird der bisherige Spieltisch der Orgelempore entkernt und völlig erneuert. Auch das zusätzliche “Glanzstück“- der gänzlich neue fahrbare vier-manualigen Nussbaum-Spieltisch – wird später den Montage-Spieltisch überflüssig machen. – Vor allem das Erscheinungsbild des neuen Spieltisches wurde während der dritten Phase vor Ort Phase zusammen mit KMD Wittnebel weiterentwickelt.

Mit dem provisorischen Montage-Spieltisch kann der Klang der Pfeifen vor Ort aus der nötigen Entfernung gehört werden, was für die klangliche Feinbearbeitung – Intonation genannt – sehr wichtig ist. Denn erst mit einem räumlichen Abstand kann der Intonateur den Klangcharakter der Pfeife optimal beurteilen. Die Tätigkeit des Intonateurs ist wohl die “Königsdisziplin” im Orgelbau zu nennen!

Die frühere Kondukte (Windkanal aus einer Art fester Pappe), die zu viel Raum im Schwellwerk geraubt hatte, ist gegen Holz-Flachkanäle ausgetauscht, die nun den Wind in das Hauptwerk leiten werden. Auch dadurch, dass inzwischen der Durchmesser des Einlasses zum Ventilkasten der Hauptwerks-Windlade vergrößert wurde, wird die Windzufuhr beruhigt und optimiert.

Zur völligen Absicherung der Windstabilität hat das Hauptwerk zusätzlich einen der sechs neuen Bälge bekommen, von denen schon auf der Homepage (schlosskirche-orgel.de) unter “Unerwartete Hilfe von drei Engeln” bei “Neuigkeiten” berichtet wurde.

Sowohl die Arbeiten an den Schleifendichtungen, inklusive der Windversorgung, sind somit abgeschlossen als auch alle weiteren technischen Sanierungen der bisherigen Orgel auf der Orgelempore. Somit ist die Zeit gekommen, dass die weiteren Register in der Werkstatt nun der Reihe nach vorbereitet und sukzessive eingebaut werden können!

Viele Fragen sind zu klären, die die drei neuen Teilwerke im Osten der Schlosskirche betreffen, damit die Arbeiten “sauber“ mit dem Amt für Denkmalpflege und nachhaltig auf die räumlichen Gegebenheiten vor Ort abgestimmt werden können.

Einer der Punkte ist die Positionierung:
Sowohl der begrenzte Raum in der Südsakristei – wo nach der bisherigen Planung das “Anglikanische Schwellwerk” seinen Ort finden sollte – als auch die an vielen Tagen im Jahr sehr heiße Sonneneinstrahlung haben gegenüber der bisherigen Planung eine Rotation entgegen dem Uhrzeigersinn unumgänglich gemacht. Das hat neu zu bedenkende Auswirkungen verschiedener Art, schafft aber auch neue Möglichkeiten, die gerade intensiv durchdacht und abgewogen werden.

– Man erkennt auch hier, wie individuell und gründlich gearbeitet, geplant und konzipiert wird und dass die neue Orgel in der Schlosskirche wirklich einmalig gestaltet und auf den Raum abgestimmt sein wird.

 

Text: Sönke Wittnebel – Fotos: Dr. Eberhard Rostan

Neue Patenschaften – Harmonia aetheria

Seit Neuestem gibt es die Möglichkeit, auf unserer Homepage Pfeifenpatenschaften mit einem neuen Register einzugehen, das den klangvollen Namen Harmonia aetheria trägt. Es ist ein Register mit mehreren Pfeifenreihen, den so genannten “Chören“. Diese hell und zart klingenden besonderen Pfeifen können sogar mit weich und sphärisch klingenden Streichregistern kombiniert werden und ergeben damit völlig neue Klangfarben in der Schlosskirche!

Advent im Schlosshof

Vom 6. bis zum 13. Dezember 2019 hat ein großes Team von Mitarbeitern aus der Schlosskirchengemeinde und den Chören an der Schlosskirche einen Stand beim “Advent im Schlosshof” mit Orgelköstlichkeiten, Gebasteltem und Gebackenem u. v. a. m. organisiert und betreut. Erfreulicherweise ist als Erlös ein beachtlicher Betrag dabei zugunsten unsere großen Aufgabe zusammen gekommen, der uns wieder ein Stück mehr erleichtert.